Versuchsbericht Wintergerste – Weite Reihe und N-Düngeeffizienz

Controlled Row Farming (CRF) verfolgt das Ziel, Betriebsmittel präziser einzusetzen, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit von Kulturpflanzen zu erhalten. Ein zentraler Baustein dieses Systems ist die sogenannte „Weite Reihe“: geringere Aussaatstärken, größere Reihenabstände und die Möglichkeit, Düngung und Pflanzenschutz gezielt an der Kulturreihe auszurichten. 

In einem Versuch, welcher im Rahmen einer Abschlussarbeit bei der Hochschule Osnabrück, genau untersucht wurde untersucht, welchen Effekt eine reihenbezogene N-Düngung auf die Entwicklung des Gerstenbestandes hat. 

Weniger Saatgut, gleiche Erträge 

Bild 1: Ausgangsbestand Februar 2025

Im Versuch wurden zwei Anbausysteme miteinander verglichen: 

  • Normalanbau mit 12,5 cm Reihenabstand und flächiger N-Düngung
  • Weite Reihe mit 37,5 cm Reihenabstand, halbierter Aussaatstärke und reihenbezogener Stickstoffapplikation mittels Y-Drop-Technik. 

Zusätzlich wurden beide Systeme mit drei Stickstoffstufen geprüft: 100 %, 80 % und 50 % der zulässigen N-Menge. Dabei fiel die Aussaatstärke im System „Weite Reihe“ mit 165 keimfähigen Körnern je Quadratmeter nur halb so hoch aus wie im Normalanbau mit 330 Körnern je Quadratmeter.

Trotz dieser deutlichen Reduzierung der Pflanzenzahl erzielte die Wintergerste in beiden Systemen nahezu identische Kornerträge. Im Mittel wurden sowohl im Normalanbau als auch in der Weiten Reihe rund 108 dt/ha geerntet.

Die Einzelpflanze macht den Unterschied 

Die geringere Bestandesdichte wurde durch eine stärkere Bestockung, mehr Körner je Ähre und höhere Tausendkornmassen kompensiert. Dadurch konnte die Leistungsfähigkeit der Einzelpflanze deutlich gesteigert werden.

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Reihenbezogene Düngung mit Y-Drop 

Bild 2: Reihenbezogene N-Düngung mit prototypischen Y-Drop
Für die reihenbezogene Stickstoffapplikation wurde eine Amazone UF 1302 mit prototyischer Y-Drop-Schleppschlauchtechnik eingesetzt. Die Düngerlösung wurde gezielt entlang der Pflanzenreihe abgelegt.

Mehr Rohprotein trotz geringerer Bestandesdichte 

Bild 3: Ernte mit Parzellendrescher

Neben dem Ertrag spielte auch die Kornqualität eine wichtige Rolle. Hier zeigte sich ein Vorteil der Weiten Reihe: Der Rohproteingehalt der Wintergerste war signifikant höher als im Normalanbau.

Die Ursache liegt in der verbesserten Versorgung der Einzelpflanze mit Licht, Wasser und Nährstoffen. Die geringere Konkurrenz innerhalb des Bestandes ermöglichte eine effizientere Einlagerung von Stickstoff in das Korn. Dieses Ergebnis deckt sich mit zahlreichen Untersuchungen aus dem ökologischen und konventionellen Getreidebau, in denen größere Reihenabstände häufig mit höheren Rohproteingehalten verbunden waren.

Fazit 

Die Ergebnisse zeigen das Potenzial des CRF-Systems. Trotz 50 % weniger Saatgut konnten vergleichbare Erträge erzielt werden. Gleichzeitig eröffnet das System neue Möglichkeiten für Präzisionslandwirtschaft, mechanische Beikrautregulierung und die Integration von Untersaaten.